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Chefdirigent Jonathon Heyward letzter Auftritt am Dirigentenpult

Chefdirigent Jonathon Heyward (© Laura Thiesbrummel)

Abo-Konzert „NWD“: Weinbergs Trompetenkonzert „B-Dur op. 94“ & Rachmaninows „Zweite Sinfonie“

Chefdirigent Jonathon Heyward letzter Auftritt am Dirigentenpult in der Konzerthalle von Bad Salzuflen

Solo-Trompeter Andrew Balio aus dem US-Bundesstaat Wisconsin hat am 24. Februar einen Gastauftritt

Das Ende einer konzertanten Ära naht: Chefdirigent Jonathon Heyward verlässt nach zwei Jahren und dreizehn Konzerten in der Kurstadt das Ensemble der Nordwestdeutschen Philharmonie (NWD) und steht letztmals Ende Februar am Dirigentenpult in der Bad Salzufler Konzerthalle. „Seit 2021 hat er das Orchester als Chefdirigent geleitet, viele Stücke bearbeitet und tolle Solisten vermittelt“, resümiert der städtische Kulturbüro-Leiter Olaf Fasse. „Sein außergewöhnliches Engagement der erfolgreichen Abokonzert-Reihe hat das Publikum stets begeistert.“ Künftig widmet der 32-jährige Kapellmeister sich seinen neuen Tätigkeitsfeldern als Musikdirektor des „Baltimore Symphony Orchester“ (seit der Spielzeit 2023/2024) und der künstlerischen Leitung vom „New Yorker Lincoln Center Summer Orchester“ (ab Sommer 2024), das einstige „Mostly Mozart Festival“. Wer die Nachfolge bei der „Nordwestdeutschen Philharmonie“ antreten wird, ist indes noch unbekannt.

Solo-Trompeter Andrew Balio (© Tommaso Tuzj)

 

Jonathon Heywards finaler Schlussakt in Bad Salzuflen wird das Trompetenkonzert „B-Dur op. 94“ von Mieczyslaw Weinberg und Sergei Wassiljewitsch Rachmaninows „Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27“ am 24. Februar (Samstag), ab 19.30 Uhr, sein. Das Trompetenkonzert „B-Dur op. 94“ entstand in Weinbergs produktivster Schaffensphase und wurde am 06. Januar 1968 in Moskau uraufgeführt. Schostakowitsch bezeichnete das Werk einst als „Symphonie für Trompete und Orchester“, das auch für Olaf Fasse „die ganze Vielfalt von Weinbergs Kompositionen aufzeigt, vom bissig-humorvollen Anfang und üppig farbenfroh orchestriertem zweitem Satz zum wunderbar collagierten Finale.“

Die „Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27“ von Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow entstand 1906/1907 während eines längeren Aufenthaltes des Komponisten in Dresden. Die Uraufführung fand im Januar 1908 in Sankt Petersburg statt und wurde von Rachmaninow selbst dirigiert. Im Gegensatz zur relativ selten aufgeführten „Ersten Sinfonie“ wird die „Zweite“ vergleichsweise häufig gespielt, öfter auch in gekürzter Fassung. Die „2. Sinfonie“ unterscheidet sich von der „Ersten“ insofern, als jeder einzelne Satz in sich abgerundeter und die gesamte Thematik pro Satz routinierter miteinander verwoben ist. „Die Themen sind um einiges länger und sehr schwärmerisch“, erklärt Kulturbüro-Leiter Fasse, „was Rachmaninow neben den Melodielinien auch durch die Phrasierung erreichte.“ Dennoch fehlt es der „Zweiten“ nicht „an Feuer“, so Fasse weiter, „es wurde hier schlicht feiner in die umgebenden, ruhigen Kontrastthemen eingebettet und teilweise durch polyphone Strukturen verschleiert.“

Eine Ausnahme stellt hierbei der zweite Satz dar, den fast pausenlos sein stürmisches, mitreißendes Hauptthema durchzieht. Trotz ihrer üppigen Orchestrierung sind die Streicher am Großteil des Geschehens beteiligt. Dies gab schon Anlass dazu, sie als „Streichersinfonie“ zu bezeichnen. Bei genauerem Hinhören erkennt der Zuhörende, dass die Streicher eher selten allein erklingen – eine Stärke Rachmaninows, da seine Klangfarben die durchdachte Mischung einzelner Instrumentengruppen bilden. Des Weiteren sind die Soli der Holzbläser besondere Glanzlichter in dieser Sinfonie, wie beispielsweise das lyrische und scheinbar endlose Klarinettensolo im dritten Satz. „Rachmaninows gereifter Sinn für Kontrapunktik zeigt sich in den vielen Fugatos, die vor allem im ersten und zweiten Satz bemerkenswerte Effekte erzielen.

Solo-Trompeter Andrew Balio

Der aus dem US-Bundesstaat Wisconsin stammende Trompeter Andrew Balio wurde 2001 von Yuri Temirkanov zum „Ersten Trompeter“ des „Baltimore Symphony Orchestra“ ernannt. Vor seiner Ankunft in Baltimore war Balio ab 1994 Solo-Trompeter des „Israel Philharmonic“ unter Zubin Mehta und seit 1990 des „Orquesta Sinfonica del Estado de Mexico“ in Toluca.

Als Solist hatte Andrew Balio Auftritte unter anderem mit den Dirigenten Zubin Mehta, Yuri Temirkanov, Gennady Rozhdestvensky, Gunther Herbig, Nicholas McGegan, Markus Stenz, Mario Venzago, Marin Alsop und Hannu Lintu auf – in Litauen, Russland, Norwegen und Brasilien. Er veröffentlichte seine Soloaufnahme des Weinberg-Trompetenkonzerts mit den „St. Petersburg Symphony“. Sein Solodebüt in der „Carnegie Hall gab er mit dem „Moskauer Kammerorchester“ in einem Sonderkonzert für die Opfer des Hurrikans Sandy, von denen viele sowjetische Emigranten waren. Er gründete und startete das „Future Symphony Institute“, eine Forschungseinrichtung, die die Philosophie und Komplexität untersucht, Symphonieorchester finanziell lebensfähig zu machen und gleichzeitig ihre künstlerische Mission zu bewahren.

Chefdirigent Jonathon Heyward

Jonathon Heyward wurde in Charleston, im US-amerikanischen Bundesstaat South Carolina, geboren und begann seine musikalische Ausbildung als Cellist im Alter von zehn Jahren. Bereits während seiner Schulzeit begann er mit dem Dirigieren. Er studierte Orchesterleitung am „Boston Conservatory of Music“, wo er stellvertretender Dirigent der Opernabteilung der renommierten Institution und der „Boston Opera Collaborative“ war. Heyward erhielt Postgraduierten-Unterricht bei Sian Edwards an der „Londoner Royal Academy“. Während dieser Zeit wurde er Assistant Conductor beim „Hallé-Orchester“ und Musikdirektor des „Hallé Youth Orchestra“ in Manchester, wo er von Sir Mark Elder betreut wurde. Im vergangenen Jahr wurde er zum Fellow an der „Royal Academy of Music“ ernannt; eine Ehre, die den Absolventen der Akademie vorbehalten ist.

Heywards Engagement für Bildung und Öffentlichkeitsarbeit hat sich während seiner drei Jahre in Manchester und seit seinem Amtsantritt als Chefdirigent der „Nordwestdeutschen Philharmonie“ im Januar 2021 intensiviert und vertieft. Ebenso engagiert er sich für die Einbeziehung zeitgenössischer Musik in seine Konzertprogramme. Im März 2022 dirigierte er erstmals als Gast das „Baltimore Symphony Orchestra“. Im Juli 2022 gab das Orchester die Ernennung von Heyward zum kommenden Musikdirektor mit Wirkung zur Saison 2023/2024 bekannt. Im Mai 2023 gab auch das „Lincoln Center for the Performing Arts“ die Ernennung von Heyward zum Musikdirektor des Orchesters bekannt. Im Oktober desselben Jahres wurde Jonathon Heyward in die Liste der „Next Generation Leaders“ des „Time Magazine“ aufgenommen.

Eintrittskarten sind im Vorverkauf zum Preis ab 25 Euro per E-Mail an theaterkasse@bad-salzuflen.de und telefonisch unter (05222) 95 29 09 sowie zu den Öffnungszeiten der Theaterkasse im Kurgastzentrum (Parkstraße 20) erhältlich. Restkarten, sofern verfügbar, sind an der Abendkasse (ab 18.30 Uhr) zu erwerben.