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Stadt gedachte ihres Ehrenbürgers Guy Stern

Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer würdigte Sterns Leben und Persönlichkeit mit bewegenden Worten.

Die Stadt Hildesheim hat ihres am 7. Dezember 2023 im Alter von 101 Jahren verstorbenen Ehrenbürgers Professor Dr. Guy Stern im Rahmen einer Gedenkveranstaltung im Ratssaal gedacht. Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer erinnerte an eine außergewöhnliche Persönlichkeit der Hildesheimer Stadtgeschichte: „Guy Stern war ein Mann, der nicht nur intellektuell beeindruckte, sondern vor allem mit seiner unerschütterlichen Menschlichkeit faszinierte. Dank seiner warmherzigen und humorvollen Art gelang es ihm immer wieder, Menschen zu berühren und Brücken zwischen verschiedenen Kulturen und Generationen zu bauen. Er war stets bereit, zuzuhören, zu vergeben und zu verstehen – eine Eigenschaft, die uns auch nach seinem Tod ein wichtiges Vorbild sein sollte. Guy Sterns Vermächtnis wird weit über seinen Tod hinaus spürbar sein.“

Im voll besetzten Ratssaal wurde an den Hildesheimer Ehrenbürger Professor Guy Stern erinnert.

Angesichts des Terrorangriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 seien die wirksame Bekämpfung von Antisemitismus und Berichte von Zeitzeugen wie Guy Stern besonders wichtig. „Seit dem 7. Oktober bewegt sich die Dimension von Antisemitismus in Deutschland außerhalb dessen, was wir je wieder für möglich gehalten hätten. Hass und Hetze werden offen gezeigt und Israel wird das Existenzrecht abgesprochen. Jüdinnen und Juden müssen heute mit der Angst leben, auf der Straße oder in jüdischen Einrichtungen angegriffen zu werden“, so der Oberbürgermeister.

Im weiteren Verlauf der gut besuchten Gedenkstunde, die musikalisch von Musikerinnen und Musikern des Theaters für Niedersachsen (TfN) gestaltet wurde, erinnerten Rolf Altmann (Präsident Eintracht Hildesheim) und Dr. Rainer Zirbeck (Mitherausgeber des Buches „Guy Stern und Hildesheim – Bewegende Begegnungen“) an den Verstorbenen.

Guy Stern wurde am 14. Januar 1922 unter dem Namen Günter Stern als Kind einer jüdischen Familie in Hildesheim geboren. Als 15-Jähriger floh er 1937 in die USA. Seine Eltern und seine beiden jüngeren Geschwister wurden im März 1942 ins Warschauer Ghetto deportiert und schließlich von den Nationalsozialisten ermordet. Bis 1945 diente Stern freiwillig im Military Intelligence Service der amerikanischen Armee und schloss sich dort der Spezialeinheit der „Ritchie Boys“ an. Für seine Dienste wurde er mit dem „Bronze Star“ ausgezeichnet.

Nach dem Krieg studierte er in den USA Romanistik und Germanistik und lehrte als Professor an verschiedenen amerikanischen und deutschen Universitäten. Als Autor und Herausgeber veröffentlichte er auch selbst zahlreiche Bücher und Sammelwerke, insbesondere zur sogenannten Emigranten- und Immigrantenliteratur. Seit seiner Emeritierung war er Direktor des Instituts für Altruismusforschung am Holocaust-Museum in Detroit. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. 2012 hat die Stadt Hildesheim Prof. Dr. Guy Stern alsAnerkennung seines versöhnlichen Wirkens und seines außerordentlichen Engagements für den Dialog der Religionen und Kulturen, das Ehrenbürgerrecht verliehen.

Trotz seines großen familiären Verlusts und der schlimmen Erlebnisse seiner frühen Jugend hatte Guy Stern die Verbindung zu seiner Heimatstadt wieder neu aufgebaut und sich mit ihr gewissermaßen versöhnt. Regelmäßig war er zu Gast in Hildesheim und gab bei Vorträgen und Lesungen Einblicke in sein Leben und in das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. Gleichzeitig stellte er immer wieder Bezüge zur Gegenwart her und trat zuletzt als scharfer Kritiker rechtspopulistischer Bestrebungen auf. Als Zeitzeuge und Wissenschaftler machte er auf Analogien zu historischen Unrechtsstrukturen aufmerksam und wurde nicht müde, vor neuen Formen des Nationalismus zu warnen. Ein besonderes Anliegen war ihm der Austausch mit der jungen Generation: Studierende, Schülerinnen und Schüler zog er bis ins hohe Alter in seinen Bann.Zum 100. Geburtstag von Guy Stern sind zwei Festschriften verfasst worden. Ein Besuch in Hildesheim war ihm – aufgrund der Reisebeschränkungen während der Corona-Pandemie und schließlich auch aufgrund des zunehmend schlechten Gesundheitszustands – zuletzt nicht mehr möglich.

Fotos: oh/Stadt Hildesheim