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Museum in Not: Neue RPM-Dauerausstellung „Es ist angerichtet“ versteht sich als Aufschrei

Die neue Dauerausstellung des Roemer- und Pelizaeus-Museums in Hildesheim beleuchtet das universale Thema „Essen und Trinken“ und soll die Möglichkeiten der vielfältigen Sammlung des Museums einbeziehen. Das ist allerdings vor dem Hintergrund des Diebstahls einiger wertvoller Objekte im Herbst 2023 nun nur noch unter großen Einschränkungen machbar. 

Die Stadt Hildesheim und das RPM stehen erneut vor einer großen Herausforderung. Inzwischen ist klar, dass der Diebstahl ostasiatischer Kunst im Oktober von hochprofessionellen Auftragstätern verübt wurde. Von den Tätern und gestohlenen Objekten fehlt jede Spur. Das Museum hatte Glück im Unglück, da die Ausstellungsräume bereits fast leergeräumt waren. Für die neue Dauerausstellung wirft der Einbruch aber die Frage auf, wie sich das immer noch finanzschwache Museum in Zukunft schützen kann. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen kosten Geld und die politische Debatte, wieviel Kultur sich die Gesellschaft in schwierigen Zeiten leisten will und kann, ist nicht nur ein Hildesheimer Problem. 

Die neue Dauerausstellung „Es ist angerichtet“ eröffnet am 31. Januar 2024 und versteht sich in der nun mit großen Einschränkungen realisierten Form als Aufschrei. Der erhöhte Aufwand bei den Sicherheitsmaßnahmen bedeutet für diese Ausstellung im Endergebnis eine Reduzierung der Objekte, das fürstbischöfliche Tafelsilber verbleibt zum Beispiel in Sicherheitsverwahrung. Viele Vitrinen werden nur mit Fotos bestückt. 

Nichtsdestotrotz ist erfreulich, dass in der Ausstellung die ganze Vielfalt der Objekte aus der ethnologischen und stadtgeschichtlichen Sammlung des RPM endlich wieder sichtbar wird. Das Speisen in geselliger Runde mit seinen Voraussetzungen steht bei der Konzeption im Mittelpunkt. Die Ausstellung zeigt Rituale, Geräte, Gespräche und viele andere Perspektiven auf die Tafelkultur. In zehn Modulen führen die Kurator*innen durch ein Menschheitsthema. Leitmotiv ist, was eigentlich alles vor dem Essen kommt. Ein Modul beschäftigt sich z.B. mit dem Gast, ein anderes mit Geschirr, das nächste mit dem Feuer, eines mit dem Ritual, eines mit dem Handel. Das Spektrum der Objekte reicht in diesen Zusammenhängen von der Haifischfalle bis zum Hildesheimer Silberfund, der als Replik zu sehen ist. 

Wenn die oben erwähnten Umstände zum Ergebnis führen, dass man sich an den Dialogtischen in der Ausstellung gepflegt über die Zukunft der Museen streitet, hat das RPM mindestens ein Ziel schon erreicht: ein lebendiger Ort zu sein für Dialog, Austausch und ja, auch das wird Spaß machen. 

Über das Museum 

Das Roemer- und Pelizaeus-Museum beherbergt die zweitwichtigste ägyptische Sammlung Deutschlands und Objekte aus diversen anderen Kulturkreisen wie Alaska, Südamerika, Afrika, China, eine große naturkundliche Sammlung (Paläontologie, Geologie/Mineralogie, Zoologie und Botanik), die Sammlungen der Hildesheimer Stadtgeschichte sowie eine Gemälde- und Grafiksammlung. Die Kraft des Museums liegt in der Verknüpfung dieser Sammlungsgebiete und dem Ziel mit allen Besucher*innen zu relevanten gesellschaftlichen Fragen in Dialog zu treten. Das RPM ist ein Ort, an dem sich Hildesheimer*innen und auswärtige Besucher*innen wohlfühlen, inspiriert werden, Spaß haben, und sich einbringen können. 

Foto: oh/Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim