Diese Tafel aus dem Lepsius-Werk zeigt Grabdekoration aus der Nekropole Qurnet Murai im südlichen Teil von Theben-West (Oberägypten)

Die Koordinierungsstelle zur Erhaltung schriftlichen Kulturgutes, kurz KEK, hat im vergangenen Jahr rund 10.000 Euro zur Verfügung gestellt, damit das wertvolle Tafelwerk „Denkmaeler aus Aegypten und Aethiopien“ von Carl Richard Lepsius (1810-1884) gereinigt und umgelagert werden konnte. Die zwölf Bände mit Zeichnungen aus der damaligen Expedition nach Ägypten sind in den Jahren 1849-1859 erschienen. Sie gehören sehr wahrscheinlich seit ihrem Erscheinen zum Bestand der Bibliothek des Roemer- und Pelizaeus-Museums. Diese wissenschaftliche Spezialbibliothek wird vom Stadtarchiv durch die Bibliothekarin Sabine Boltzendahl betreut.

Präsentation der „Denkmaeler“ beim Tag der Archive am 8. März.

Das 942 Einzelblätter umfassende, ungebundene Werk lag bisher in einem eigens dafür angefertigten Holzschrank. Dieser Schrank war zwar äußerlich ansprechend, erfüllte aber nicht die heutigen Ansprüche an eine sachgerechte Lagerung von Druckwerken. Zum einen waren die Laden mit jeweils etwa 60-90 Blättern zu voll. Die Blätter mit den farbigen Drucken lagen unmittelbar aufeinander und waren dadurch zum Beispiel nicht vor Abrieb geschützt. Zum anderen waren die großformatigen Blätter (63 x 79 cm) durch Blättern, Suchen und Herausnehmen am Rand ausgefasert oder sogar stark eingerissen. Einige – gerade die ansehnlichsten – Blätter hatten durch Aufhängen, Ausstellen, Rahmen und andere unsachgemäße Behandlung oder Reparatur auch größeren Schaden genommen.

Dieses Werk konnte nun im Rahmen eines „Modellprojektes“ der KEK gereinigt und umgelagert werden, die größeren Risse wurden geschlossen. Nach der Bearbeitung durch eine externe Restauratorin lagern die einzelnen Bögen nun – sachgerecht voneinander getrennt durch säurefreie Pappen und Zwischenlagepapiere – in drei Planschränken aus Metall. Sabine Boltzendahl zeigt sich darüber sehr erfreut: „Jetzt ist das grundlegende Quellenwerk wieder benutzbar und kann für Forschungs- oder für Ausstellungszwecke herangezogen werden.“

Der Riss in dieser farbigen Abbildung von Grabbeigaben konnte geschlossen werden.

Das Stadtarchiv Hildesheim, das seit 1999 die Museumsbibliothek betreut, hatte 2019 im KEK-Förderprogramm „Modellprojekte“ erfolgreich einen Antrag für die Bearbeitung der „Denkmaeler“ gestellt. Archivdirektor Prof. Dr. Michael Schütz konnte im Rahmen der Kooperation des Stadtarchivs mit der HAWK Hildesheim eine Bachelorarbeit im Fachbereich Papierrestaurierung zu diesem Thema vermitteln. Darin hat die Autorin Katja Liedloff ein Konzept für die dauerhafte Lagerung des Tafelwerkes entwickelt, die Schäden am Papier genauer bestimmt und Empfehlungen für die Reinigung des Werkes gegeben. „Glücklicherweise konnte sie einen von uns vermuteten organischen Befall der Blätter ausschließen“, ist Schütz beruhigt.

Die Tafelbände der „Denkmaeler aus Aegypten und Aethiopien“ entstanden als Ergebnis einer wissenschaftlichen Expeditionsreise in das Niltal und den Sudan in den Jahren 1842-1845. Diese wurde vom preußischen König Wilhelm IV. finanziert. Neben dem Leiter Carl Richard Lepsius und einigen Wissenschaftlern nahmen daran auch Zeichner, Maler, Bildhauer und Gipsformer teil. Diese Expeditionsreise gilt als Grundsteinlegung der deutschsprachigen Ägyptologie, Lepsius selbst als ihr Begründer. Das Denkmal-Werk zeigt die gesamte archäologische, paläographische und historische Ausbeute der Expedition, viele architektonische und landschaftliche Bilder in Farbe sowie Pläne und hieroglyphische Schriftdenkmäler. Die exakte und detailgetreue Aufnahme der Fundstücke durch die Zeichner und Maler macht das Werk zu einem äußerst geschätzten Referenzwerk der Ägyptologie. Der Wert der Bilder für die Forschung wird noch dadurch gesteigert, dass sich einige der abgebildeten Objekte im Original nicht bis in unsere Zeit erhalten haben.

Die Koordinierungsstelle zur Erhaltung schriftlichen Kulturgutes wird finanziert durch die/den Beauftragte/n der Bundesregierung für Kultur und Mediensowie die Kulturstiftung der Länderund hat 2011 ihre Arbeit aufgenommen. Ihr Ziel ist die dauerhafte Erhaltung des nationalen Erbes in Form schriftlicher Überlieferungen. Dazu setzt die KEK jährlich zwei Förderprogramme auf: zum einen die „Modellprojekte“ zum Erhalt wertvoller Einzelstücke, zum anderen ein Sonderprogramm der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, kurz „BKM“ genannt. Die Koordinierungsstelle gehört zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz und ist bei der Staatsbibliothek zu Berlin angesiedelt (www.kek-spk.de).

 

Fotos: Stadt Hildesheim

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