Pflanzten heute eine Pennsylvanische Esche auf dem Marienfriedhof (v. l.): Ralf Severith (Stadt Hildesheim Baumkontrolle und -pflege), Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer und Stadtbaurätin Andrea Döring.

Am 1. Februar haben umfangreiche Baumpflanzarbeiten im Stadtgebiet begonnen:

Der Fachbereich Tiefbau, Verkehr und Grün der Stadt Hildesheim lässt 150 Straßen- und Anlagenbäume als Ausgleich für Bäume nachpflanzen, die aus Gründen der Verkehrssicherheit in der vergangenen Fällsaison 2019/20 entnommen werden mussten. Bereits im Frühjahr 2020 waren 113 Bäume gepflanzt worden, sodass es nun insgesamt 263 Bäume als Ersatz für Baumfällungen aus 2019/20 gibt. „Wenn die Stadt Hildesheim aus Verkehrssicherungsgründen sogenannte Gefahrbäume fällt, ist der Aufschrei oftmals groß, obwohl diese Maßnahmen ausschließlich dem Schutz der Bevölkerung dienen“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer. „Dass wir im Gegenzug aber stets für einen ökologischen Ausgleich und damit für den Erhalt unseres umfangreichen Baumbestandes sorgen, kommt in der öffentlichen Wahrnehmung meistens zu kurz. Dabei tun wir ganz viel für den Natur- und Klimaschutz. Hildesheim wird nicht umsonst zu den grünsten Städten Deutschlands gezählt.“ Das dokumentiert auch eine Studie der Berliner Morgenpost aus dem Jahr 2016: https://interaktiv.morgenpost.de/gruenste-staedte-deutschlands/

Die Auswahl der nachgepflanzten Baumarten erfolgt auf Grundlage der Empfehlungen des Niedersächsischen Städtetages. Neue Arten wurden im Hinblick auf den Klimawandel erprobt, sodass zum Beispiel vermehrt auch neue,  resistente Ulmenarten im Stadtgebiet gepflanzt werden, um die Verluste dieser Baumart, die durch das Ulmensterben vor 30 Jahren fast komplett dezimiert wurde, auszugleichen. Die Neupflanzungen werden gleich zu Beginn mit Wassersäcken versehen, um eine optimale Versorgung und somit ein gutes Anwachsergebnis zu gewährleisten.

Hintergrund

Der Fachdienst Vermessung und Geodaten hat alle Bäume im Stadtgebiet (ca. 33.000) nach Standorten erfasst und in das städtische Computernetz eingespeist. Bei der Grunderfassung (Bestandsaufnahme) wird jeder Baum aufgenommen. Es werden Baumart, Stammumfang, Höhe, Vitalitätsbeurteilung, Standortbedingungen, Ausbildung der Baumscheibe und der Zustand hinsichtlich der Verkehrssicherheit festgestellt. Mit Hilfe eines elektronischen Gerätes (PDA) wird so für jeden Baum ein Datenblatt erstellt. Anhand der Bestandsaufnahme erfolgen regelmäßig Baumkontrollen, um den Zustand laufend zu überprüfen und zu dokumentieren. Dabei werden gegebenenfalls Schäden ermittelt und weitergehende Untersuchungen oder notwendige Pflegemaßnahmen festgelegt. Die Ergebnisse werden in den PDA eingespeist – somit ist der Zustand jedes einzelnen Baumes jederzeit feststellbar.

Die Prüfungen erfolgen nach den Baumkontollrichtlinien der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL). Die anschließenden Baumpflegemaßnahmen werden nach den Vorgaben der ZTV-Baumpflege durchgeführt. Sollten bei den Baumkontrollen – auch unter Zuhilfenahme technischer Geräte – Schädigungen festgestellt werden, ist zu entscheiden, ob der Baum behandelt werden kann oder eine Fällung erfolgen muss. Es wird auch festgelegt, ob zum Beispiel Rückschnitte oder Kronensicherungsmaßnahmen erforderlich sind.

Die Eingaben werden später am PC in das entsprechende Programm übertragen. Bei Bedarf werden Mängelberichte oder Pflegeaufträge ausgedruckt. Die notwendigen folgenden Kontrollintervalle werden „vom System“ stets gemeldet und müssen fristgerecht abgearbeitet werden. Sind die Bäume zu sehr geschädigt und somit nicht mehr verkehrssicher, sind weitere Maßnahmen erforderlich: diese Bäume werden auf die Baumfällliste gesetzt und im Winterhalbjahr, außerhalb der Brut- und Setzzeit, durch entsprechend geschultes eigenes Fachpersonal gefällt. Die Öffentlichkeit wird, insbesondere wenn mehrere Bäume entfernt werden müssen, laufend informiert (Presse, Internet etc.). Bei Feststellung akuter öffentlicher Gefährdung (Verkehrsgefährdung) muss sofort eine Fällung erfolgen, denn die Sicherheit von Personen und Sachen hat in jedem Fall oberste Priorität.

Damit Hildesheims grünes Stadtbild erhalten bleibt, werden möglichst zeitnah zu den erforderlichen Fällungen Baumpflanzungen durchgeführt. Die Stadt Hildesheim ist, neben der kostengünstigen Beschaffung der Bäume bemüht, möglichst widerstandsfähige Arten und Sorten einzusetzen, um den Anforderungen der unterschiedlichen Standorte gerecht zu werden. Vor jeder Neuanpflanzung sind viele fachliche Kriterien zu beachten, damit die neuen Bäume in ihrer Umgebung möglichst lange verbleiben können. Sie sollen und müssen natürlich in die Landschaft passen. Insbesondere an Straßenbäume sind strenge Anforderungskriterien zu stellen. Diese müssen ganz besonders robust sein, weil sie ständigen Schadstoffbelastungen ausgesetzt sind und diese zu verkraften haben. Sie sind dadurch auch kurzlebiger, als Bäume in verkehrsarmen Parkanlagen. Straßenbäume sind starken Belastungen unterworfen, wie zum Beispiel Salzeintrag, Staub, Trockenheit und auf der Baumscheibe parkende Autos. Aktuell spielt auch der Klimawandel eine Rolle, sodass immer mehr standortgerechte Pflanzen aus anderen Ländern gepflanzt werden, die den neuen Beanspruchungen eher gewachsen sind.

 

Foto: ©Stadt Hildesheim

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