Die sog. „Floodtube-Elemente“ lassen sich einfach von den Trommeln abrollen.

 

Unmittelbar nach dem Hochwasser im Sommer 2017 wurde auf Initiative von Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer eine innerstädtische Projektgruppe „Hochwasser und Starkregenereignisse“ einberufen. Der Auftrag bestand darin, Maßnahmen zum Schutz vor entsprechenden Ereignissen zu erarbeiten, diese zu priorisieren und in einem Umsetzungsplan zu fixieren.

Eine der vorgesehenen Maßnahmen, die zeitnah umgesetzt werden konnten, ist die Anschaffung eines mobilen Hochwasserschutzsystems für den Bereich Große Venedig für knapp 170.000 Euro. An diesem neuralgischen Punkt drohte 2017 das Eindringen des Wassers ins Quartier Kalenberger Graben und in die Anlagentechnik der JoWiese, was dank des unermüdlichen Einsatzes zahlreicher haupt- und ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer, die tausende Sandsäcke auf einer Länge von rund 400 Metern verbauten, gerade noch verhindert werden konnte. Das neue, mobile Hochwasserschutzsystem kann nun als künstlicher Deich grundsätzlich den Einsatz von Sandsäcken und deren Entsorgung ersetzen. Es handelt sich um 72 wasserbefüllbare Schlauchelemente von jeweils 15 Metern Länge (Gesamtlänge 1.080 Meter), die in zwei Abroll-Containern einsatzbereit auf dem Bauhof zur Verfügung stehen und nach Herstellerangaben von sechs Personen innerhalb von vier Stunden aufgebaut werden können. Die sogenannten „Floodtube-Elemente“ werden auf Trommeln gelagert. Im Einsatzfall wird zunächst ein Einfachstrang von der Trommel abgerollt und in Längsrichtung auf der Bodenfläche platziert. Die einzelnen Elemente können mit Manschetten ineinandergesteckt und verbunden werden, um einen Deich in beliebiger Länge zu errichten. Parallel zum ersten Strang wird ein zweiter Strang gelegt und mit dem ersten verbunden. Diese Verlegung als Doppelschlauch verhindert das Wegrutschen des Deiches. Dann werden die Elemente zuerst mit Luft, anschließend mit Wasser befüllt, das direkt aus dem Fluss genommen werden kann. Aufgrund der hohen Anpassungsfähigkeit der Schläuche an den Untergrund, können die „Floodtubes“ sowohl auf Straßen, als auch auf Wiesen oder Schotterwegen aufgebaut werden. Kleine Unebenheiten im Gelände werden dabei ausgeglichen. Die Stauhöhe kann gegebenenfalls erweitert werden, indem ein dritter Schlauch oben auf den Doppelschlauch gesetzt wird. Dieses ist allerdings nach jetziger Einschätzung bei der Großen Venedig nicht nötig. Zum Abbau des Deiches werden die Reißverschlüsse geöffnet, die sich an jedem Element befinden. Dadurch laufen die Schläuche leer, ehe sie wieder auf die Trommeln aufgerollt werden.

„Das neue Hochwasserschutzsystem kann im Ernstfall mit deutlich geringerem Zeit- und Personalaufwand die Große Venedig schützen, aber auch an anderen Orten zum Einsatz kommen. Damit verfügen wir nun über ein flexibles Instrument, das den Hochwasserschutz im Stadtgebiet erheblich erhöht, zumal unsere personellen Ressourcen so zugleich an anderer Stelle eingesetzt werden können. Darüber hinaus arbeiten wir natürlich weiterhin intensiv an der Umsetzung weiterer Maßnahmen auch im Verbund mit anderen Kommunen und Kreisen. Eine zentrale Rolle nimmt dabei die Schaffung neuer Retentionsräume ein. Dabei sind wir mit Blick auf die Kosten und die oft langwierigen Planfeststellungsverfahren weiterhin auf die Unterstützung des Landes angewiesen, um möglichst schnell möglichst gute Ergebnisse zum Schutz der Bevölkerung zu erzielen“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer.

Aus dem Maßnahmenpaket der Projektgruppe bereits abgeschlossen ist die Ertüchtigung des Damms am Louisgraben in Itzum. Derzeit in Planung befinden sich der Bypass am Graben an der Itzumer Hauptstraße und Hochwasserschutzmaßnahmen an der Bleicherstraße/Bleckenstedter Straße. Diese sollen dann in 2019 umgesetzt werden. Parallel wird insbesondere über die Hochwasser-Allianz der Prozess zur Schaffung von Retentionsflächen südlich der Domäne intensiviert, um den notwendigen Ausgleich für Hochwasserschutzmaßnahmen an der Domäne selbst und der Großen Venedig zu schaffen. Mittelfristig sollen zudem bauliche Hochwasserschutzmaßnahmen sowohl für die Große Venedig, als auch für die Domäne projektiert werden.

Sind sich einig, dass das neue mobile Hochwasserschutzsystem mit deutlich weniger Zeit – und Personalaufwand zum Einsatz kommen kann: Volker Huck (Stadt Hildesheim, Bereichsleiter Gefahrenvorbeugung und Freiwillige Feuerwehren), Antje Kuhne (Stadt Hildesheim, Dezernentin für Finanzen sowie Feuerwehr und Rettungsdienst), Heiko Pfänder (Stadt Hildesheim, Bereichsleiter Gefahrenabwehr), Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer, Detlef Hansen (Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen, Umwelt und Verkehr), Stadtbrandmeister Thomas Bartels und dessen Stellvertreter Jürgen Stoffer (v. l.).

Fotos: Stadt Hildesheim