Der gebürtigen Polin Emilia Lewicka gelang als Quereinsteigerin der Weg in die Führungsetage eines mittelständischen Gebäudetechnik-Unternehmens aus Ingolstadt. Der Mittelstand hat Studien zufolge deutlich mehr Frauen in Spitzenpositionen als große Konzerne.

Ein Beispiel aus Ingolstadt: Darum tun sich Frauen in kleineren Firmen leichter

Der Mittelstand in Deutschland hat einer Studie des Beratungsunternehmens EY zufolge deutlich mehr Frauen in Spitzenpositionen als börsennotierte Konzerne. Die relativ hohe Frauenquote hat demnach zum einen damit zu tun, dass sich der Mittelstand beim Werben um Fachkräfte mehr einfallen lassen muss als die bekannten Börsenunternehmen. Zudem, so die Studie, seien viele mittelständische Unternehmen familiengeführt. Weibliche Familienmitglieder würden dort oft schon früh auf Führungspositionen in der Firma vorbereitet. Wie einer Quereinsteigerin der Weg in die Führungsetage gelang, zeigt ein Beispiel aus dem bayerischen Ingolstadt.

Beispiel aus der Praxis: Karriere für Frauen eher im Mittelstand möglich

Emilia Lewicka ist gebürtige Polin, nach dem Abitur ging sie zum Studieren nach Nizza und begann in Frankreich auch ihren ersten Job. Der Liebe wegen verlegte sie 2005 ihren Lebensmittelpunkt nach Ingolstadt, 2007 startete sie ihre Karriere bei der Gebrüder Peters Gebäudetechnik GmbH als Assistentin der Geschäftsführung. Danach ging alles sehr schnell: Ab 2010 war Lewicka am Aufbau der Niederlassungen in Belgien und Polen maßgeblich beteiligt und übernahm dann die Leitung der Abteilung „Internationale Projekte“ mit der Zuständigkeit für die beiden Auslandsniederlassungen. Warum kann ein mittelständisches Unternehmen für die Karriere einer Frau von Vorteil sein? „Für Frauen ist es ungemein wichtig, dass Familienplanung und Beruf nicht nur mit dem Partner abgestimmt werden, sondern von vornherein auch mit dem Arbeitgeber. Das ist in einer mittelständischen Firma einfacher möglich als in einem Großkonzern“, sagt die Mutter von neunjährigen Zwillingen. Es müsse Optionen für Teilzeit und flexible Arbeitszeiten geben, wenn Kinder da sind. Vor allem müssten auch Führungspositionen in Teilzeit möglich sein: „Ich rate Frauen zu prüfen, ob die gewünschten Einkommensperspektiven realistisch sind, und von Beginn an darauf zu achten, dass Frauen und Männer für gleiche Arbeit die gleiche Bezahlung erhalten.“

Frauen führen anders – und besser?

Bei Gebrüder Peters liegt die Geschäftsführung in weiblichen Händen – für Emilia Lewicka war Seniorchefin Veronika Peters immer ein großes Vorbild. Für die gebürtige Polin führen Frauen anders: „Sie verhalten sich empathischer, sie kommunizieren und organisieren besser und sind stärker am Befinden der Mitarbeitenden interessiert.“ Männer dagegen habe sie im Berufsleben oft als machtverliebt und wenig kompromissbereit kennengelernt. Wo gibt es in Deutschland den größten Nachholbedarf? „In Sachen Kinderbetreuung liegt das Land noch immer ganz weit hinten, hier gibt es sehr viel zu tun“, so Lewicka. (djd)

Foto: djd/GEBRÜDER PETERS Gebäudetechnik/Christine Olma

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