Marietta Tebbenjohanns (l.) und Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer (3. v. r.) mit den geflüchteten Menschen, die in Hildesheim eine neue Heimat gefunden und während der Feierstunde von ihren Erfahrungen berichteten.

Nachdem die Veranstaltung zum Hildesheimer Friedenstag in diesem Jahr nicht stattfinden konnte, wurde der Hildesheimer Friedenspreis an die ökumenische Flüchtlingshilfe FLUX nun nachträglich im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Hildesheimer Rathaus vergeben. Stellvertretend für die Auswahljury überreichte Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer den Preis, der in diesem Jahr erstmals mit einem Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro dotiert ist. Möglich wird dies durch die Spende eines Hildesheimer Ehepaars, das auch die Gestaltung des Hildesheimer Friedenstags zukünftig finanziell unterstützen wird.

FLUX (www.flux-hildesheim.de) ist eine ökumenische Flüchtlingshilfe in Trägerschaft der Caritas, deren ehrenamtlich Tätige sich das Ziel gesetzt haben, geflüchteten Menschen den Neustart in unserem Land und die Integration in unsere Gesellschaft zu erleichtern. Dazu zählt unter anderem auch die Hilfe beim Erlernen der deutschen Sprache, Unterstützung bei Behördengängen oder beim Abschließen eines Mietvertrages sowie bei der Suche nach einer Perspektive auf dem Arbeitsmarkt.

Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer übereichte Marietta Tebbenjohanns den Hildesheimer Friedenspreis.

In seiner Laudatio würdigte Dr. Meyer das Engagement des Vereins: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von FLUX haben in der Nordstadt einen Ort geschaffen, der Raum für Begegnung bietet und der Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenbringt. Diese Gemeinschaft gibt neuen Halt und ist für einige ein zweites Zuhause geworden. Damit leistet der Verein seit über fünf Jahren nicht nur einen wichtigen Beitrag für die Integrationsarbeit, er stärkt darüber hinaus auch den Zusammenhalt der Menschen in Hildesheim. Und der ist bekanntlich von herausragender Bedeutung für ein friedliches und tolerantes Zusammenleben in unserer Stadt.“

Die Leiterin des FLUX-Teams, Marietta Tebbenjohanns, die den Preis stellvertretend für die Initiative entgegennahm, bedankte sich bei den über 200 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer von FLUX: „Jede Hand, die FLUX gereicht hat, trägt zum friedlichen Miteinander in unserer Gesellschaft bei. Das ist eine große gemeinschaftliche Leistung, die niemand allein geschafft hätte und die zu einem bunten und lebenswerten Miteinander in Stadt und Landkreis Hildesheim führt. Oft werden wir gefragt, ob ein Miteinander der unterschiedlichen Kulturen denn überhaupt ginge. Bei FLUX jedenfalls scheint dies schnell zu gelingen. Die Menschen kommen aus Somalia, dem Irak, Eritrea, Syrien und dem Sudan – Länder, die zum Teil untereinander im Krieg stehen, Länder, deren Bevölkerungen sich gegenseitig nicht anerkennen. Der Wunsch bei FLUX war von Beginn an ein friedliches Miteinander. Egal ob Mann oder Frau, egal ob arabisch oder afrikanischer Herkunft – wir sitzen, bei FLUX gemeinsam an einem Tisch; in unserem Leben gemeinsam in einem Boot.“ Rückblickend sagte Tebbenjohanns: „Wir durften Zeugen sein, wie aus entwurzelten Menschen, ohne Sprache und ohne Perspektive, Botschafter des Friedens werden.“

Hiervon konnten sich auch die Gäste der Preisverleihung ein Bild machen, als fünf geflüchtete Menschen, die FLUX in den vergangenen sechs Jahren betreut hatte, auf eindrückliche Weise ihre Werdegänge, die schwierigen ersten Wochen in Deutschland und den Neubeginn in Hildesheim schilderten. So berichtete Aster aus Eritrea von ihrer Ausbildung in einer Zahnarztpraxis, Abdulkadir (Somalia), dass er bereits in der Meisterausbildung als Maurer steckt und die ersten beiden Teile bestanden hat. Saad aus dem Irak hat eine Zusage der Landesschulbehörde, sobald er die C1-Prüfung bestanden hat, als Lehrer für Arabische Sprache eingesetzt werden zu können, damit die Kinder mit arabischen Wurzeln ihre Muttersprache lesen und schreiben lernen können. Aziz, ein junger Mann aus Syrien, erzählte von seinem Studium der Sozialen Arbeit und kündigte an, später als Sozialarbeiter arbeiten zu wollen, um „zwischen den Kulturen zu vermitteln“. Salih (Sudan), der im 3. Ausbildungsjahr Mechatroniker ist und bereits seine Einbürgerungsurkunde bekommen hat, sagte: „Ich liebe Deutschland, weil ich ein Leben in Freiheit schätze.“ Einig waren sich alle darin, dass der Schlüssel zur Integration im Erlernen der deutschen Sprache liege

Der Hildesheimer Friedenspreis wird alljährlich am 22. März, im Rahmen des „Hildesheimer Friedenstags“ an eine Initiative vergeben, die sich in besonderer Weise für Frieden und Versöhnung einsetzt. In diesem Jahr musste die Veranstaltung zum Hildesheim Friedenstag, den die Stadt Hildesheim in Kooperation mit den Hildesheimer Hochschulen, der Evangelischen Kirche, der Katholischen Kirche und dem Verein „Hildesheim blüht auf“ ausrichtet, aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Mehr Informationen zum Friedenstag finden sich unter www.hildesheim.de/friedenstag.

Fotos: ©Stadt Hildesheim

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