Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer (l.) pflanzte gemeinsam mit Martina Bertram und Ralf Severith eine Stechpalme im Wildgatter.

Stechpalme im Wildgatter gepflanzt

Die Stechpalme (Ilex aquifolium) ist vom Kuratorium der Dr. Silvius Wodarz Stiftung zum „Baum des Jahres 2021“ ausgerufen worden. Die Stadt Hildesheim unterstützt die Aktion bereits seit 2004 mit Jungbaumpflanzungen zum „Tag des Baumes“ (25. April) im Wildgatter. So auch in diesem Jahr: Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer pflanzte heute gemeinsam mit Martina Bertram (Stadt Hildesheim, Grünflächenplanung und -neubau) und Ralf Severith (Stadt Hildesheim, Baumkontrolle und -pflege) ein Exemplar am Wildgatter, wo bereits zahlreiche andere „Bäume des Jahres“ gepflanzt und per Beschilderung als solche ausgewiesen wurden. „Die Stechpalme ist eine sehr gut an den Klimawandel angepasste Baumart, die mit ihrem immergrünen Charakter nicht nur ein idealer Brutplatz für Vögel, sondern auch für bedrohte Insekten wie zum Beispiel Bienen eine hervorragende Nahrungsquelle ist. Zudem ist sie bereits seit etwa zwei Millionen Jahren auf unserem Kontinent beheimatet und somit eine echte Europäerin. Ich freue mich daher, dass wir hier am Wildgatter, das hoffentlich bald wieder öffnen kann, ein Exemplar anpflanzen konnten, an dem noch viele Generationen ihre Freude haben werden.“

 

Der „Baum des Jahres“ wird seit 1989 jedes Jahr im Oktober von der „Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung“ (vormals Menschen für Bäume) und deren Fachbeirat, dem „Kuratorium Baum des Jahres“ (KBJ), für das darauffolgende Jahr bestimmt. Weitere Informationen zum „Baum des Jahres“ sind unterwww.hildesheim.de/baumdesjahreserhältlich.

 

Informationen des Kuratoriums der Dr. Silvius Wodarz Stiftung zur Stechpalme:

 

Schon unter den Botanikern des 16. Jahrhunderts war Stechpalme der übliche Name für diesen Baum. Die so gar nicht passende Beschreibung als Palme hängt mit der christlichen Tradition zusammen, bei der am Sonntag vor Ostern, dem Palmsonntag, mit einer Prozession an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnert wird. Jesus war damals mit Palmwedeln begrüßt worden. Da es aber in Mitteleuropa keine Palmen gibt und auch anderes Grün zu dieser frühen Jahreszeit kaum vorhanden ist, wurden Sträuße aus Zweigen der Stechpalme – meist zusammen mit Zweigen anderer immergrüner Gehölze – zum kirchlich geweihten Palmwedelersatz.

 

Ilex, der botanische Gattungsname, ist mittlerweile für viele Leute auch der sehr viel vertrautere und sympathischere Name. Die offizielle Benennung als Stechpalme sorgt heute eher für Irritationen. Im Nordwesten Deutschlands, der Region mit der wohl dichtesten Verbreitung der Stechpalme, gilt allerdings Hülse (gelegentlich auch leicht abgewandelt Hulst) als quasi amtlicher Name der Stechpalme. Hulst heißt der Ilex auch in den Niederlanden, im Englischen Holly und auf Französisch Houx. Alle diese Namen gehen auf einen gemeinsamen Wortstamm zurück, mit dem auch anderes stechendes Gesträuch bezeichnet wurde.

 

Es gab und gibt auch noch eine recht große Zahl lokaler, volkstümlicher Namen, von denen hier nur einige angeführt werden: Walddistel, Christusdorn, Stecheiche, Hülskrabbe (Münster), Schradler (Österreich), Waxlafa, (oberbayerischer Dialekt, bedeutet „scharfes Laub“), Stechholder, Döörn und Schorittenbaum (Aachen; Schoritt ist ein Schornsteinfeger. Mit Bündeln von Stechpalmenzweigen wurden Ruß, aber wohl auch böse Geister aus dem Kamin entfernt).

 

Und was ihre exotische Ausstrahlung betrifft:

Sie ist eine Europäerin durch und durch. Sie wuchs schon vor über zwei Millionen Jahren hier auf diesem damals allerdings deutlich wärmeren Kontinent, und zwar in einer subtropischen Waldgesellschaft, wie sie heute in Europa nur noch auf den geologisch bereits zu Afrika gehörenden Kanarischen Inseln zu finden ist. Die Stechpalme ist aber trotz des sich abkühlenden Klimas in Europa geblieben. Sie hat sich in die sich ändernden Lebensverhältnisse eingelebt und nur während der periodisch auftretenden Eiszeiten in den Südwesten der Iberischen Halbinsel zurückgezogen. Eine Exotin ist sie also nicht, aber doch immerhin ein bemerkenswertes Relikt aus einem anderen Erdzeitalter.

 

Foto: ©Stadt Hildesheim

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