
Am 19. Mai wurden in Hildesheim weitere 27 Stolpersteine
im Auftrag des Künstlers Gunter Demnig von Mitarbeitenden des städtischen Bauhofes verlegt.
Insgesamt erinnern nun 327 Stolpersteine im Stadtgebiet an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, derer im Rahmen einer Gedenkstunde auf dem Andreasplatz gedacht wurde. Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer hatte zuvor mit Ortsbürgermeister Dr. Tobias Eckhardt und Dr. Hartmut Häger (Initiator des Hildesheimer Stolperstein-Projekts) die Verlegung von Stolpersteinen für Johanna Löwenstein und Henriette Marburger vor dem Haus Hoher Weg 25 begleitet. Ein Geschichtskurs des Scharnhorstgymnasiums gestaltete die Gedenkstunde mit Wortbeiträgen zur Erinnerung an das Schicksal von Ruth Schubert, die am 1. Februar 1941 vom NS-Regime in Plötzensee ermordet wurde, wesentlich mit. Für den musikalischen Rahmen sorgte Fynn Siedentopf (Scharnhorstgymnasium).

„Stolpersteine haben das Ziel, über das Gedenken hinaus für den besonderen Wert von Demokratie und Freiheit zu sensibilisieren. Dies scheint aktuell wichtiger denn: Auch heute erleben wir Fremdenhass und offenen Antisemitismus. Das dürfen wir nicht hinnehmen und müssen gegen jegliche Verbreitung nationalistisch gefärbter Gesinnung eintreten“, so der Oberbürgermeister. Mit dieser Intention hätten sich in den vergangenen Jahren viele Hildesheimerinnen und Hildesheimer sowie Menschen, die sich mit dieser Stadt verbunden fühlen, Einrichtungen und Initiativen, Unternehmen und Gemeinden, Schulen und Bildungseinrichtungen für die Verlegung von Stolpersteinen engagiert und Patenschaften für diese besonderen Gedenkorte übernommen. „Mein Dank gilt daher den Patinnen und Paten der Stolpersteine. Ohne Sie wäre die Verlegung von so vielen Steinen in Hildesheim nicht denkbar“, schloss Dr. Meyer seinen Redebeitrag.

Von den 27 aktuell verlegten Stolpersteinen erinnern 23 an Hildesheimerinnen und Hildesheimer, die als Juden verfolgt wurden (davon wurden neunzehn, darunter drei „Euthanasie“-Opfer, ermordet, zwei in die Flucht ins Ausland getrieben, zwei starben 1937 beziehungsweise 1939 in Hildesheim). Drei Personen leisteten Widerstand, von denen zwei wegen Landesverrats hingerichtet wurden und einer im Strafbataillon 999 ums Leben kam. Eine Person wurde nach §175 StGB (Kriminalisierung homosexueller Handlungen) verurteilt und starb im Zuchthaus. In einer Begleitbroschüre wurden die Biografien der Betroffenen aufgezeichnet, sodass den Toten und Verfolgten mit ihren Namen und Lebensläufen ihre Würde zurückgegeben wird.

Die neuen Stolpersteine wurden von 26 Patinnen und Paten aus Hildesheim und Umgebung finanziert. Jeder Stolperstein und damit jede Patin, jeder Pate bekunden damit, dass Hildesheim aus der Geschichte die Lehre gezogen hat, Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung und Verächtlichmachung Andersdenkender nicht zu dulden. Die Patenschaftsurkunden wurden handwerklich und ehrenamtlich von der Druck-Offizin gedruckt. Die Stabsstelle Kultur und Stiftungen war für die Koordination und Organisation zuständig und ermöglichte den Druck einer Broschüre. Dr. Hartmut Häger hat die Biografien recherchiert, die Texte für die Begleitbroschüre verfasst und den Kontakt zu den Patinnen und Paten initiiert.
Fotos: oh/Stadt Hildesheim
