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Investition in die Zukunft: 4 Millionen Euro für Bildungsgerechtigkeit

Der Soccer Court in der Nordstadt erfreut sich großer Beliebtheit und kann auch dank der Mittel aus dem Projekt „Vielfalt (er)leben 2.0“ weiter betrieben werden.

Die Stadt Hildesheim hat den offiziellen Förderbescheid für das Projekt „Vielfalt (er)leben 2.0“ erhalten: Mit einer Fördersumme von rund 4 Millionen Euro aus dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) der Europäischen Union wird in den kommenden drei Jahren ein ambitioniertes Programm umgesetzt, dessen zentrale Vision die Bildungsgerechtigkeit ist. Das Projekt zielt darauf ab, strukturelle Barrieren abzubauen und Kindern sowie Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft gleiche Startchancen im deutschen Bildungssystem zu ermöglichen.

Projekte wie der Besuch des „Schulbauernhofes“ des KJN sind wichtig um die Bildungschancen von Kindern zu verbessern.

In Deutschland entscheidet zu einem großen Teil die soziale Herkunft, insbesondere das Bildungsniveau, Einkommen und die Ressourcen der Eltern über den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen. Laut der Sozialberichterstattung des Landes Niedersachsen gelten in der Stadt Hildesheim 25,1 Prozent der Kinder als arm, weil sie in Haushalten aufwachsen, die Sozialleistungen nach dem Sozialgesetzbuch II erhalten. Um diesen Kindern in Hildesheim im deutschen Schulsystem dennoch eine Chance zu geben, verfolgt die Stadt einen ganzheitlichen Ansatz. „Wir nutzen jeden möglichen Hebel, um auf kommunaler Ebene die strukturellen Bildungsnachteile für Kinder aus einkommensschwachen Familien auszugleichen“, erklärt Sozialdezernent Malte Spitzer. Damit reiht sich das Förderprojekt „Vielfalt (er)leben 2.0“ in eine Vielzahl weiterer Maßnahmen wie die Bildungsoffensive 2.0 in Kitas oder den bedarfsorientierten Ausbau des Ganztages ein, die sich der Bildungsgerechtigkeit verschrieben haben.

Handlungsbedarf in der Nordstadt

Der Fokus der Maßnahmen liegt auf der Hildesheimer Nordstadt sowie angrenzenden Quartieren, da diese Gebiete laut dem städtischen Sozialmonitoring erhebliche Bildungsbenachteiligungen aufweisen. Während stadtweit 72,2 Prozent der Kinder eine Einschulungsempfehlung erhalten, liegt dieser Wert im Schulbezirk der Grundschule Nordstadt lediglich bei 64,6 Prozent. Zudem wachsen mehr als die Hälfte der Kinder in der Nordstadt in einkommensschwachen Familien auf. „Vielfalt (er)leben 2.0“ setzt genau dort an, um strukturelle Nachteile auszugleichen.

Das neue Förderprojekt knüpft an die erfolgreiche Arbeit des Vorgängerprojekts „Vielfalt (er)leben 1.0“ an, das seit Anfang 2023 lief. „Durch die Fördermittel von knapp 4 Mio. Euro können wir einerseits die bereits aufgebauten bewährten Strukturen verfestigen aber gleichzeitig auch weiter ausbauen, sodass noch mehr Kinder und Jugendliche davon profitieren“, freut sich Teresa Daubenmerkl (Stadt Hildesheim, Sozialplanerin und Projektleitung). Durch die Förderung der

Europäischen Union mit einer Quote von 90 Prozent kann die Stadt Hildesheim langfristige Strukturen etablieren, die über die Projektlaufzeit hinauswirken.

Sechs Säulen für faire Bildungschancen

Das Projekt basiert auf sechs Maßnahmen, die Bildungserfolge von der Kita bis zum Übergang in den Beruf fördern:

Bildungscoaches (Umsetzung: Verein Cluster): Sie unterstützen Eltern in Kitas dabei, die Anforderungen des deutschen Bildungssystems zu verstehen, Hemmnisse oder Hürden zu überwinden und ihre Kinder gezielt auf die Schule vorzubereiten.

FuNah #bewegt (Umsetzung: Verein FuNah): In Kooperation mit der Universität Hildesheim verknüpft diese Maßnahme Sport mit nachhaltigem Lernen, um Bildungschancen spielerisch zu stärken.

Offene Kinder- und Jugendarbeit (Umsetzung: Kinder- und Jugendhaus Nordstadt): Das KJN bietet informelle Bildungs- und Freizeitangebote sowie Hausbesuche an, um Familien in Bildungsfragen individuell zu begleiten.

Fitness im Viertel (Umsetzung: Verein Cluster): Diese Maßnahme kombiniert Sport mit sozialpädagogischer Beratung und unterstützt Jugendliche dabei, Bildungs- und Teilhabehürden zu überwinden.

Gemeinsam wachsen (Umsetzung: Bereich Jugend, Stadt Hildesheim): Ein Projekt zur Förderung der interkulturellen Verständigung, der Medienkompetenz und der politischen Bildung, das junge Menschen zu aktiven Mitgestaltenden der Stadtgesellschaft macht.

Dolmetscherpool (Umsetzung: Verein Asyl): Professionelle Sprachmittlung in Kitas und Schulen verhindert, dass Sprachbarrieren den Bildungsweg der Kinder behindern und Eltern von wichtigen Informationen ausgeschlossen werden.

Fotos: oh/Stadt Hildesheim