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Erst Wohnung, dann Unterstützung: Wohnungen für „Housing First“ gesucht

Das Projekt „Hildesheim Housing First“ ist ein Türöffner für den ersten Schritt zu einer eigenen Wohnung. Foto: oh/Stadt Hildesheim
Das Konzept „Housing First“ ist seit 2018 als Methode zur Beendigung

oder Vermeidung von Wohnungslosigkeit besonders in Großstädten favorisiert. Der Ansatz mit Ursprung in den USA arbeitet nach Angaben des gleichnamigen Bundesverbandes seit Jahren weltweit mit einer Erfolgsquote von bis zu 90 Prozent nach den acht Prinzipien bei denen das Wohnen als Grundrecht, die Wahlfreiheit und die Selbstbestimmung des Menschen bedingungslos im Vordergrund stehen. Seit dem 1. Juni 2025 wird das Konzept auch von der Stadt Hildesheim umgesetzt.

Das dreijährige städtische Pilotprojekt „Hildesheim Housing First“ ist im vergangenen Sommer mit einer halben Koordinierungsstelle gestartet und ergänzt die bestehenden Angebote für wohnungslose und obdachlose Menschen in Hildesheim. Insbesondere der Personenkreis der wohnungslosen Frauen und andere vulnerable Personengruppen werden gezielt angesprochen und finden in der Gemeinschaftsunterkunft Mitte der Stadt Hildesheim, geschützte Räume zur unmittelbaren Unterstützungsintervention.

„Ziel ist es, mittels persönlichem Wohnungsmatching sicheren Wohnraum, also unbefristete Mietverhältnisse aus der Wohnungswirtschaft heraus anzubahnen, um wohnungslose Personen mit komplexen Problemlagen in ihrer eigenen Wohnung zu begleiten und in ihrer Wohnstabilität zu unterstützen“, erklärt Iva Grubisic (Stadt Hildesheim, Ambulante Leistungen und Hilfen in besonderen sozialen Schwierigkeiten). Die Projektkoordination agiert als verlässliche Ansprechpartnerin für alle Beteiligten gleichermaßen, um eine aktive Beteiligung und Integration der Personengruppe im Gemeinwesen zu ermöglichen.
 
Das Projekt leistet damit einen bedeutenden Beitrag zur Bekämpfung der Auswirkungen von Wohnungsnot und langjähriger Obdachlosigkeit“, ergänzt Malte Spitzer (Stadt Hildesheim, Dezernent für Jugend, Soziales, Schulen und Sport). Denn getreu dem Motto „Zuhause schafft Zukunft“ schaffe ein privatrechtliches Wohnverhältnis die Grundlage, um mit Hilfe von Sozialleistungen und anderen Unterstützungsangeboten weitere bestehende individuelle Problemlagen zu bearbeiten. Bedürftige werden so freiwillig umfänglich beraten, notwendige Leistungen dienen dem Abbau der Hemmnisse und der Sicherstellung der Wohnfähigkeit, um nicht wieder schleichend in eine Wohnungslosigkeit zu geraten.

Für die fachliche Umsetzung wird eine Expertise im Netzwerk aufgebaut, die sich aus mehreren Professionen unterschiedlicher Träger zusammensetzt. Das Pilotprojekt wird von der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) im Rahmen einer dreijährigen Evaluation und Implementierung des stärkenorientierten Casemanagement-Modells wissenschaftlich begleitet. Das Netzwerk der Wohnungslosenhilfe und die dort tätigen freien Träger stellen über die Zusammenarbeit weitere integrative Leistungen in der Wohnungslosen- und Obdachlosenhilfe sicher.

„Für das Gelingen des Projekts ist die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum seitens der Wohnungswirtschaft, aber auch von privaten Anbietern unabdingbar“, so Grubisic. Die Wohnraumraumakquise werde derzeit mit der Wohnungswirtschaft erprobt. „Aktuell suchen wir sieben passende Wohnungen, willkommen sind bezahlbare Ein- bis zwei Zimmer-Wohnungen in Stadt und Landkreis Hildesheim. Auch hier ist das Prinzip der verlässlichen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Projektkoordination und der Wohnungswirtschaft unerlässlich, um dauerhaft eine zufriedenstellende Wohnstabilität für alle Beteiligten zu sichern.“

Hinter dem Projekt steht der Gedanke, die klassische Notfallhilfe zu entlasten. Best-Practice Beispiele wie in Hamburg haben die Vorteile von Housing First aufgezeigt, sodass dort das Housing First-Programm in den Regelkatalog der Hilfen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten aufgenommen wurde.