
Am Mittwoch, 4. Februar, wurde im Rathaus das „Gedenkbuch für die als Juden verfolgten Hildesheimerinnen und Hildesheimer“ unter großer Anteilnahme Bevölkerung der Öffentlichkeit vorgestellt. Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer eröffnete die Veranstaltung im vollbesetzten Ratssaal – darunter unter anderem auch Michael Fürst (Präsident des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen) und Hildesheims Ehrenbürgerin Dr. Lore Auerbach – und betonte die Bedeutung des Werkes hinsichtlich der Erinnerung der Opfer antisemitischer Gewalt: „Es ist ein unschätzbarer Beitrag zur Bewahrung ihrer Namen und Biografien – gegen das Vergessen, gegen das Schweigen, gegen das Auslöschen von Identität und Würde. Die ausführlichen Lebenswege – mit Blick auf familiäres Umfeld, Berufsleben, Wohnorte und das Schicksal in der NS-Zeit – machen das Gedenkbuch zu einem bewegenden und notwendigen Zeugnis unserer Geschichte. Es durchbricht das Schweigen, das so oft über Unrecht liegt und gibt den Opfern ihre Geschichten zurück.“
Auch Channah von Eickstedt (Vorsitzende Jüdische Gemeinde Hildesheim), Professor Dr. Michael Gehler (Leiter Institut für Geschichte der Universität Hildesheim) und Professor Dr. Michael Schütz (früherer Direktor des Stadtarchivs und Herausgeber der Schriftenreihe) würdigten den besonderen Wert der Publikation für die Erinnerungskultur. Für den musikalischen Rahmen der Buchvorstellung sorgte der Bläserkreis St. Michael.

Das Buch ist in der vom Stadtarchiv herausgegebenen Reihe „Quellen und Dokumentation zur Stadtgeschichte Hildesheims“ als Band 23 erschienen, womit ein umfangreiches Forschungsprojekt zur NS-Zeit zum Abschluss gebracht wurde. Dr. Hartmut Häger als Hauptautor hat in mehrjähriger akribischer Forschung die Biografien der als Juden verfolgten Hildesheimerinnen und Hildesheimer erarbeitet: Es sind 645 namentlich bekannte Personen, die in der Zeit von 1933 bis 1945 Verfolgung erlitten haben. Bei der umfangreichen Recherche für dieses Projekt wurde Dr. Häger von Sabine Brand, Ann-Kathrin Möhle und dem kürzlich verstorbenen Peter Thon unterstützt.
Im Gedenkbuch wird zunächst ein Überblick über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Hildesheim gegeben und dann umfassend dargestellt, wie die jüdische Bevölkerung ab 1933 zunächst diffamiert, entrechtet und schließlich systematisch verfolgt wurde. Den Hauptteil des Buches bilden mit nahezu 650 Seiten die Biografien der Verfolgten. Dort werden also nicht nur die Geburts- und Deportations- bzw. Sterbedaten der Personen aufgelistet, sondern weitere biografische Daten gegeben. Dazu gehören neben dem familiären Umfeld – wie Eltern, Geschwister, Ehepartner, Kinder – der Beruf, die Wohnadressen und in besonderem Maße die Beschreibung des Lebens- und Leidensweges in der NS-Zeit.
Das Gedenkbuch ist eine der bisher umfangreichsten Publikationen des Stadtarchivs und stellt einen Meilenstein in der Aufarbeitung der Hildesheimer NS-Zeit dar. Es soll einen aktiven Beitrag dazu leisten, dass das menschenverachtende Ziel der Nationalsozialisten, Namen und Biografien der verfolgten und getöteten Menschen auszulöschen, nicht erreicht wird.
Fotos: oh/Stadt Hildesheim
