Mittwoch, Januar 28Nachrichten rund um Hildesheim
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Stadt gedachte der Opfer des Holocaust

Rund 100 Gäste fanden sich vor der illuminierten Martin-Luther-Kirche zu Beginn der Gedenkveranstaltung ein. In der RBG kamen später noch zahlreiche Teilnehmende hinzu.

Wie bereits im vergangenen Jahr gestalteten die Stadt Hildesheim und das Bündnis „Ins Licht gerückt“ den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar gemeinsam in der Nordstadt. Kooperationspartner war nach der Geschwister-Scholl-Schule 2025 dieses Mal die Robert-Bosch-Gesamtschule (RBG). Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eröffneten Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer und Pastor Lutz Krügener vom Bündnis „Ins Licht gerückt“ die Gedenkveranstaltung vor der illuminierten Martin-Luther-Kirche. Dort wurde ein in Zusammenarbeit zwischen der RBG und dem Theaterpädagogischen Zentrum Hildesheim entstandener Kurzfilm zum Thema gezeigt. Im Anschluss ging es gemeinsam zum Seiteneingang des Nordfriedhofs an der Richthofenstraße. Wilfried Duckstein – ebenfalls Mitglied des Bündnisses – schilderte dort das Leben und Wirken des Hildesheimer Widerstandskämpfers Gustav Hoppe, dessen Grabstein auf dem Nordfriedhof steht.

Im vollbesetzten Foyer der RBG erinnerte Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer an die Opfer des Holocaust.

Nach einer Gedenkminute fand der zweite Teil des Programms in der Eingangshalle der RBG statt. Schulleiterin Yvonne Schweppe begrüßte die Gäste der Gedenkveranstaltung. Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer betonte in seiner Ansprache die Bedeutung der Erinnerungskultur für den Erhalt der Demokratie: „Demokratie ist kein Zustand, der einmal erreicht wird und dann selbstverständlich bleibt. Sie ist ein Prozess, der Pflege, Aufmerksamkeit und Widerspruch benötigt. Erinnerung spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie soll nicht lähmen oder beschämen, sondern sensibilisieren. Sie soll uns in die Lage versetzen, Gefährdungen früh zu erkennen. Wenn wir heute beobachten, wie antisemitische Ressentiments wieder offen geäußert werden, dann ist das kein Randphänomen. Es ist ein Warnsignal für die demokratische Kultur insgesamt. Antisemitismus greift nicht ausschließlich Jüdinnen und Juden an. Er greift das Fundament unserer offenen Gesellschaft an.“

Und doch seien 42 Prozent der jüdischen Gemeinden in Deutschland 2024 von antisemitischen Vorfällen wie Beleidigungen, Drohanrufen oder Schmierereien betroffen gewesen. Im selben Jahr sei es nach Angaben des Bundesverbandes der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) zu mehr als 8.600 antisemitischen Vorfällen in Deutschland gekommen, was einem Anstieg um fast 77 Prozent gegenüber 2023 gleichkomme. Daher richtete der Oberbürgermeister am Ende seiner Rede einen Appell an die Zivilgesellschaft: „Lassen Sie uns diesen Tag daher nicht nur als Rückblick verstehen, sondern als Aufforderung. Als Aufforderung, demokratische Werte zu verteidigen, wo sie angegriffen werden. Als Aufforderung, Haltung zu zeigen, auch wenn es unbequem ist. Und als Aufforderung, die Würde jedes Menschen als unantastbar zu begreifen – nicht nur als Verfassungsnorm, sondern als gelebte Praxis.“

Schülerinnen und Schüler der RBG erläuterten im Anschluss den an der Martin-Luther-Kirche gezeigten Kurzfilm und berichteten von ihrem Besuch in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz. Channah von Eickstedt (Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Hildesheim) erinnerte zum Abschluss an den Widerstand der jüdischen Opfer  im Konzentrationslager Auschwitz unter dem Titel „Nicht wie Lämmer zur Schlachtbank“. Für den musikalischen Rahmen der Veranstaltung sorgten Alicja Jastrzebska, Professorin Jutta Rübenacker und Tana Kleinschmidt (alle Violine), Mirjam Strecker (Viola) und Kathrin Seidemann (Violoncello).

Rund um den Holocaust-Gedenktag haben in diesem Jahr Schülerinnen und Schüler des Scharnhorstgymnasiums die Stolpersteine im Stadtgebiet gereinigt.

Hintergrund

 

Seit 1996 wird der 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik Deutschland begangen. Anlass war die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945.

Fotos: oh/Stadt Hildesheim