Sonntag, Mai 26Nachrichten rund um Hildesheim
Shadow

Siebtes Abo-Konzert der „NWD“: Ausgezeichnete orchestrale Musikwerke von drei bekannten Pianisten

Pianist Haiou Zhang Foto: © Reto Klar_Sören Lukas Schirmer

Die „Nordwestdeutsche Philharmonie“ präsentiert : Jean Sibelius, Sergej Rachmaninow und Carl Nielsen

Brite Jonathan Bloxham am Dirigentenpult – Chinesischer Pianist Haiou Zhang bestreitet Klavierkonzert

Beim siebten Teil der beliebten Abo-Reihe der Nordwestdeutschen Philharmonie (NWD) werden gleich drei Pianisten und Komponisten ausgezeichneter orchestraler Musikwerke auf der Bühne der Konzerthalle von Bad Salzuflen präsentiert: Gespielt werden die „Karelia Ouvertüre“ des finnischen Komponisten Jean Sibelius, das „Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll op“ von Sergej Rachmaninow aus Russland und die „Sinfonie Nr. 2 op. 16 – Die vier Temperamente“ des Dänen Carl Nielsen. Das Dirigentenpult an diesem Abend des 20. April (Samstag), ab 19.30 Uhr, übernimmt der „Brite Jonathan Bloxham“, sagt sagt Olaf Fasse, Kulturbüro-Leiter der Stadt Bad Salzuflen. „Das Klavierkonzert bestreitet der chinesische Pianist Haiou Zhang.“

Jean Sibelius: „Karelia-Ouvertüre“

Anders als bei Mozart oder Prokofjew erregte Jean Sibelius großes musikalisches Talent erst während seines Studiums Aufsehen. Im Mittelpunkt seiner musikalischen Entwicklung stand vorerst die Violine, doch er komponierte auch. Um sich musikalisch weiterzuentwickeln und neue Anregungen zu bekommen, entschied er 1889, sein Studium in Berlin fortzusetzen. Im Jahr darauf wechselte er nach Wien. Während dieser Zeit wurden die entscheidenden Weichen gestellt: Der Violinist Sibelius wandelte sich zum Komponisten großdimensionierter Orchesterwerke. Im Jahr 1892 stellte er sich im Festsaal der Universität Helsinki mit einem ersten großen chorsinfonischen Œuvre der Öffentlichkeit vor und erlangte sogleich Berühmtheit: mit der Kullervo „Karelia-Ouvertüre“ op. 10.

Sibelius Beschäftigung mit dem finnischen Nationalepos Kalevala, das in Karelien seinen Ursprung hat, begann noch während der Wiener Zeit. Kullervo stellt seine erste große musikalische Auseinandersetzung mit dem Epos dar. Die Karelia-Musik besteht aus einer Ouvertüre sowie sieben bis acht Bildern, die einzelne Mythen und Begebenheiten aus Karelien musikalisch darstellen. Die Uraufführung im Rahmen eines Festaktes für die Provinz Wyborg geriet 1893 zu einem wahren Triumph des jungen Komponisten. Sibelius selbst war von seinem Werk jedoch nicht so überzeugt. Ihre ursprüngliche Anlage behielt die „Karelia-Musik“ in der Folgezeit nicht bei. Sibelius entnahm ihr als op. 10 die Ouvertüre. Die Bilder verarbeitete er zu der dreiteiligen Karelia-Suite op. 11. Während letztere zu den bekannten Werken zählt, steht die Ouvertüre oft im Hintergrund.

Die Ouvertüre, als monumentales Klanggemälde, gestaltet Sibelius nach dem charakteristischen Schema der Sonatenhauptsatzform. Er stellt hier allerdings drei Themen zur Disposition. Das erste Thema, im Tempo Allegro moderato, wird durch Triolen charakterisiert, das zweite, von lyrisch-elegischer Art, ist dem Stil der finnischen Folklore nachempfunden und das dritte, zügig mit marschartig-prägnantem Rhythmus, besitzt einen tänzerisch-vorwärtsdrängenden Duktus. Es wird zuerst von den Hörnern vorgestellt und anschließend von den Holzbläsern aufgegriffen.

Sergej Rachmaninow: „Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll op. 30“

Uraufgeführt wurde das Konzert am 28. November 1909 in New York vom „New York Symphony Orchestra“ unter der Leitung von Walter Damrosch. Der Komponist, der das Konzert während der Atlantiküberfahrt auf einer stummen Klaviatur geübt hatte, spielte den Solopart. Schon am 16. Januar 1910 gab es eine Wiederaufführung in der „Carnegie Hall“ – mit Gustav Mahler am Pult. Die erste Aufführung in Russland fand am 04. April 1910 in Moskau statt.

Nach der Uraufführung waren sich die Musikkritiker uneinig über das Werk und reagierten eher verhalten, so war im „New York Herald“ nach der Aufführung unter Mahler zu lesen, Rachmaninows Werk sei zwar eines der „interessantesten Klavierkonzerte der letzten Jahre“, doch leide es ein wenig an seiner „Überlänge“. Das Konzert gehört heute zum Standardrepertoire der meisten großen Pianisten, wurde aber in den ersten Jahrzehnten nach seiner Komposition – vermutlich aufgrund seiner technischen Schwierigkeiten – nur von einem Dutzend Pianisten gespielt.

Der amerikanische Pianist Earl Wild, der das Konzert seit 1943 öffentlich spielte, gab an, vor ihm hätten es nur der Komponist sowie aus dessen Umfeld Vladimir Horowitz, Benno Moiseiwitsch, Gina Bachauer und Gita Gradova, weiterhin Alfred Cortot und seine Schülerin Henrietta Schumann, Walter Gieseking, Jorge Bolet, Egon Petri, Cyril Smith und George Thalben-Ball aufgeführt. Laut Berechnungen ist es von allen großen Klavierkonzerten das mit den meisten Noten pro Sekunde im Klavierpart. Józef Hofmann, der Pianist, dem Rachmaninow sein Konzert widmete, führte es mit der Begründung, das sei „nicht für ihn“, nie auf. Vermutlich störte sich Hofmann, der zwar ein exzellenter Pianist war, aber kleine Hände hatte, an den häufig weiten Griffen.

Der gedrehte Film „Shine“ (deutscher Titel: „Shine – Der Weg ins Licht“) brachte dem 3. Klavierkonzert einen enormen Popularitätsschub. Der Film erzählt die wahre Geschichte des australischen Pianisten David Helfgott, der nach einem Konzert in London, in dem er dieses Klavierkonzert spielt, wegen seiner schizoaffektiven Störung einen Nervenzusammenbruch erleidet, durch die er viele Jahre in psychiatrischen Kliniken verbringt, bis er über seine große Liebe langsam zurück ins Leben findet und sein Comeback schafft. Durch den Film gewann nicht nur das 3. Klavierkonzert, das sich durch den ganzen Film zieht, enorme Berühmtheit, so dass es inzwischen wohl noch bekannter als Rachmaninows 2. Konzert ist – auch Helfgott wurde aufgrund des Films berühmt. In der Folgezeit erreichte eine Einspielung des 3. Klavierkonzerts mit Helfgott Platz eins der Klassik-Charts in mehreren Ländern, obwohl Kritiker an der Einspielung wenig Gutes fanden.

Carl Nielsen: „Sinfonie Nr. 2 op.16 – Die vier Temperamente“

Als einer der großen Sinfoniker der klassischen Musik gilt Carl Nielsen, wenngleich seine Musik nicht wirklich bekannt ist. Die „Sinfonie op. 16“, die Zweite von insgesamt sechs Sinfonien, entsteht in den Jahren 1901/1902 und trägt wie oft bei Nielsen einen poetischen Titel: „Die vier Temperamente“. Nielsen selbst soll ein ausgezeichneter Unterhalter gewesen sein und an allem interessiert, was die menschliche Natur so ausmacht – auch wenn es ungeschliffen oder „anders“ daherkommt. Die vier menschlichen Grundcharaktere hat Nielsen in jeweils einem Satz portraitiert, also den Choleriker, den Phlegmatiker, den Melancholiker und den Sanguiniker. Konkreter Anlass dazu war ihm ein Gemälde, das er in einem Landgasthaus entdeckt hatte.

Was bei Nielsen musikalisch dabei entsteht, sind musikalische Charakterstudien, die – soweit sich das über Musik sagen lässt – eine psychologische Tiefe aufweisen. Das Ferruccio Busoni gewidmete Werk wurde am 01. Dezember 1902 in Kopenhagen mit der „Dänischen Konzertvereinigung“ und dem Komponisten selbst am Dirigentenpult uraufgeführt. In den folgenden Jahren wurden die „Vier Temperamente“ zu einem der beliebtesten Werke des Komponisten, und zwischen 1905 und 1928 leitete Nielsen selbst mindestens 13 Aufführungen in Norwegen, Schweden und Deutschland. 1921 erklang seine 2. Sinfonie erstmals in London unter Henry Wood. 1903 erschien das Werk gedruckt beim Musikverlag Wilhelm Hansen.

Dirigent Jonathan Bloxham Foto: © Kaupo Kikkas

Dirigent Jonathan Bloxham

Jonathon Bloxham, der als Cellist begann, studierte an der „Yehudi Menuhin School & Royal College of Music“ bei Thomas Carroll und an der „Guildhall School of Music and Drama“ bei Louise Hopkins. Seine Karriere als Dirigent begann, als er von 2016 bis 2018 die Position des „Assistant Conductor“ beim „City of Birmingham Symphony Orchestra“ unter Mirga Grazynte-Tyla antrat. Anschließend wurde er von Paavo Järvi eingeladen, ein Sommerkonzert mit der „Deutschen Kammerphilharmonie“ zu dirigieren. Seitdem ist er ein regelmäßiger Gast auf internationaler Ebene und tritt unter anderem mit dem „Orchestre Philharmonique du Luxembourg“, „Lausanne Chamber Orchestra“ und „Tapiola Sinfonietta“ auf.

Pianist Haiou Zhang

Im Jahr 2022 gab es zahlreiche Debüts von Haiou Zhang in den renommiertesten Spielstätten Deutschlands: Berlin, Hamburg, Leipzig, Nürnberg und Essen. Zuvor war er im November 2021 mit seinem Soloalbum „My 2020“ für die „International Classical Music Awards“ (ICMA) nominiert. Seine Mozart-CD mit den Heidelberger Sinfonikern unter Thomas Fey wurde als offizieller Soundtrack für die Netflix-Serie „Haus des Geldes“ aufgenommen und bekam weltweit große, öffentliche Aufmerksamkeit.

Weitere Meilensteinen sind Mozarts Klavierkonzerte „KV414 und 415“ mit dem „Deutschen Kammerorchester Berlin“ im Kammermusiksaal der „Philharmonie Berlin“ in 2018 und Dvoraks „Klavierquintett Op. 81“ mit dem Philharmonisches Streichquartett der Berliner Philharmoniker beim Festival „Welcome-Back-Woche“ der „Berliner Philharmoniker“ in 2021.

1984 in Hohhot, China, geboren, studierte Haiou Zhang zunächst am „Zentralkonservatorium Peking“, anschließend an der „Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover“ bei Prof. Bernd Goetzke. Nach zahlreichen Wettbewerbserfolgen startete Zhang 2005/2006 seine Karriere mit stürmisch gefeierten Auftritten beim „Braunschweig Classix Festival“ und den „Festspielen Mecklenburg-Vorpommern“, zudem trat er beim „Schleswig-Holstein Musik Festival“, beim „Kissinger Sommer“ und weiteren Festivals auf.

Eintrittskarten sind im Vorverkauf zum Preis ab 25 Euro per E-Mail an theaterkasse@bad-salzuflen.de und telefonisch unter (05222) 95 29 09 sowie zu den Öffnungszeiten der Theaterkasse im Kurgastzentrum (Parkstraße 20) erhältlich. Restkarten, sofern verfügbar, sind an der Abendkasse (ab 18.30 Uhr) zu erwerben.